Rhododendron Blüten auf dem Hutberg in Kamenz

Auf dem Hutberg in Kamenz

Ein Blütenmeer – Die Gestaltung der Gartenanlge.

Der knapp 294 Meter hohe Hutberg ist ein beliebtes Ausflugsziel und befindet sich am Rand der sächsischen Stadt Kamenz. Vom Gärtnermeister Wilhelm Weiße (1846-1916) wurde hier ein großflächiger Park angelegt, der für seine zahlreichen Koniferen und Rhododendren bekannt ist. Er begann ab 1890 mit der Bepflanzung und jedes Jahr im Mai und Juni blühen die stattlich gewachsenen Büsche in verschiedenen Farben. Auf einer Gedenktafel zu Ehen von Wilhelm Weiße erhält man einen kleinen Einblick in seine Lebensphilosophie: “Öffne Auge und Herz und vernimm dankbar des Schöpfers gewaltige Sprache, die in Natur und Pflanzenleben zu dir redet.” Darin spiegelt sich zweifellos seine Liebe zur Natur und zur Gartenkunst wieder. Weißes Motivation galt aber in erster Linie wissenschaftlichen Zwecken: hierbei nahm er Versuche zur Akklimatisierung, Züchtung und Veredlung zahlreicher (fremdländischer) Pflanzen vor. Durch seine Forschung erwarb sich Weiße sich einen guten Ruf, der weit über die Grenzen Sachsens hinaus reichte. Gleichermaßen schuf er mit der Gartenanlage ein attraktives Ausflugsziel und ein Wahrzeichen von Kamenz. Im heutigen Rhododendronpark sind mehr als 160 verschiedene Gehölze zu finden.

Zur Geschichte des Lessingturms

Auf dem höchsten Punkt des Hutberges fällt ein 24 Meter hoher Turm ins Auge. Vom Lessingturm, der im Jahr 1864 erbaut und im Jahr 2010 umfassend saniert wurde, bietet sich ein fantastischer Weitblick auf die Stadt Kamenz und auf die hügelige Landschaft der Westlausitz. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Berg großflächig entwaldet und diente den ansässigen Bauern als Hüte-Weide. Dies prägte wohl auch seinen Namen „Hutberg“. Ab 1836 entstanden erste Pläne zur Bebauung, allen voran sollte ein Aussichtsturm entstehen. Am 30. März 1864 wurde der Grundstein für den 18 Meter hohen Turm gelegt, dessen Errichtung maßgeblich durch großzügige Spenden finanziert war. Da die umliegenden Bäume im Verlauf der Jahre gewachsen waren, erweiterte man den Turm im Jahr 2010 um weitere 6 Meter. Heute sind die beiden Aussichtspunkte, also in 18 Metern und in 24 Metern Höhe, begehbar.

Ein Denkmal für die Landvermessung im Königreich Sachsen

Lehrtafeln erinnern an die einstige Bedeutung des Turms, denn zur Zeit der Königlich-Sächsischen Triangulation diente er als Station zur Landvermessung. Mit dem Turm als Bezugspunkt, konnte im Zeitraum von 1862 bis 1890 eine präzise Vermessung der Region durchgeführt werden und so entstanden detaillierte Landkarten. Im Rahmen der Gradmessung und Triangulierung wurde, unter der Leitung von Professor Christian August Nagel (1821-1903), ein System aus geodätischen Festpunkten entwickelt. Diese Festpunkte ließen sich in Form von Dreiecken miteinander verbinden und machten trigonometrische Berechnungen möglich. Für die damalige Zeit war selbige Technik sehr fortschrittlich. Neben der Triangulation erfolgten auch astronomische Messungen zur Orientierung des aus Dreiecken bestehenden Netzes. Darüber hinaus begann man mit Berechnungen zur Bestimmung von Höhenfestpunkten. Heute sind Landkarten und Navigationsgeräte ganz alltägliche und nützliche Hilfsmittel. Aus diesem Grund ich finde ich, dass sich eine kleine Zeitreise lohnt und die fleißigen Wegbereiter der modernen Vermessungstechnik nicht in Vergessenheit geraten sollten.

Über einen anderen Festpunkt historischer Landvermessung habe ich bereits im Beitrag über den Borsberg bei Pillnitz berichtet.

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