Am Schneiderloch, Blick auf die Affensteine, Wanderung Kuhstall

Leichte Wanderung zum Kuhstall, Himmelsleiter und Hausberg

Der Neue Wildenstein ist bei Wanderfreunden sehr beliebt und hat eine geologische Besonderheit am Malerweg zu bieten: Das 17 Meter breite und 11 Meter hohe Felsentor, das „Kuhstall“ genannt wird. Vom Lichtenhainer Wasserfall im Kirnitzschtal aus, ist der Kuhstall auf dem breiten Wanderweg bequem in ca. einer halben Stunde zu erreichen. Die mit einem roten Punkt markierte Kuhstallstraße führt bei mäßiger Steigung den Hang hinauf. Kurz vor Erreichen des imposanten Felsentores, lohnt sich ein Abstecher zur zerklüfteten Felsformation links des Hauptweges. Bereits von hier aus lässt sich der Ausblick in das bewaldete Tal genießen. Schweift der Blick nach Osten, so sind in der Ferne die beiden Lorenzsteine zu sehen.

Der Blick durch das eindrucksvolle Felsentor.

Am Felsentor angekommen, empfiehlt es sich, einen Moment inne halten und die Dimension des Naturdenkmals auf sich wirken lassen. Blickt man geradewegs durch das Tor, so ist im Süden das markante Felsmassiv der Affensteine mit dem Kleinen Winterberg und dem Frienstein zu erkennen. Der Kuhstall inspirierte zahlreiche Künstler, wie zum Beispiel Adrian Zingg und seine Schüler. Im Dresdner Kupferstich-Kabinett befinden sich unter anderem stimmungsvolle Radierungen (Radierung 1 und Radierung 2) sowie eine Federzeichnung, die das Motiv grafisch wiedergeben.

Kühe sind am Kuhstall allerdings nicht zu finden. Zur Entstehung des Namens gibt es zwei mögliche Erklärungen. Ansässige Bauern versteckten im Dreißigjährigen Krieg ihr Vieh auf dem Neuen Wildenstein und nutzten dabei den geschützten Bereich unterhalb des Felsdurchbruchs als Kuhstall. Aber auch die Annahme, dass Raubritter gestohlenes Vieh im Bereich des Felsentores versteckten, könnte zur Namensgebung geführt haben.

Am Kuhstall gibt es mehrere Möglichkeiten zur weiteren Gestaltung des Ausfluges. Eine Stärkung im traditionellen Gasthaus, der Abstieg über den Fremdenweg (roter Punkt) hinab in das Tal und die Fortführung der Wanderung bis zu den Affensteinen … oder die Erkundung der Himmelsleiter und der höchsten Ebene des Felsen! Ich entschied mich für Letzteres und wählte den Aufstieg (im Felsentor links) durch die schmale Felsspalte.

Der enge Weg durch die Himmelsleiter und Spuren der einstigen Burg Wildenstein.

Im Spalt führen ganz schmale Treppenstufen hinauf. Links und rechts beeindrucken die steilen Felswände. Am Ende des Weges ist zunächst nur das helle Licht des Himmels zu sehen. Ein tolles Erlebnis und den Namen Himmelsleiter finde ich sehr passend gewählt! Hoch oben auf dem Sandstein und in 337 Metern über NN, befand sich einst die Burg Wildenstein. Sie wurde im Jahr 1410 erstmals urkundlich erwähnt und heutzutage sind noch einige Spuren aus mittelalterlicher Zeit zu finden. Mauerreste, Stufen und Zeichnungen im Fels laden zur Erkundung des Plateaus ein.

Aber auch der Blick in die Weite lockt zu einer Pause. Die Aussicht in Richtung der Affensteine, kombiniert mit alten Bäumen und historischen Spuren im Sandstein, finde ich sehr reizvoll. Leider hatte ich am Tag meiner Wanderung mit dem Licht keine ganz optimalen Bedingungen zum Fotografieren, aber der leicht bewölkte Himmel war auch in Ordnung. Da die Himmelsleiter aus Platzgründen nur in eine Richtung begehbar ist (nur Aufstieg), führt ein breiterer Weg auf der anderen Seite wieder hinab.

Die Miniatur-Stiege im Schneiderloch.

Von hier aus führen abenteuerliche Pfade zu weiteren Aussichtspunkten. Auf dem einen Pfad kriecht man in gebeugter Haltung unter einem Felsüberhang entlang und gelangt zu einem Platz zwischen den Felswänden. Im vorderen Bereich eröffnet sich ein faszinierender Ausblick in südwestliche Richtung bis zu den Schrammsteinen.

Zurück auf dem Hauptweg, entdeckte ich einen Wegweiser zum „Schneiderloch“. Die Neugier war gleich geweckt und ich gelangte auf dem schmalen und mit Geländern gut gesicherten Felsband bis zum Einstieg in eine kleine Höhle. In diese kroch ich hinein und erreichte eine Miniatur-Stiege, die hinauf zu einem kleinen „Balkon“ im Felsen führt. Mit Hilfe von Stahlklammern und künstlich angelegten Griffen ist der Weg leicht zu bewältigen. Oben angekommen, fühlt es sich so an, als würde man sich in einem kleinen Wohnraum befinden. Durch das „Fenster“ erstrahlt aufs Neue das schöne Bergpanorama und ein ruhiger Moment abseits der vielen Kuhstall-Besucher tut an dieser Stelle ganz gut! Nun geht es wieder zurück und von der Höhle auf den Hauptwanderweg.

Ein nahezu verlassener Ort neben dem Kuhstall: der Hausberg.

Als Kontrast zum stark besuchten Neuen Wildenstein, ist mir auf der Wanderkarte der etwas höhere Hausberg aufgefallen. Hinauf zur Basaltkuppe führen nur kleine Pfade durch den Wald, die überraschender Weise nicht weiter ausgeschildert sind. Zudem gibt es, laut meiner Karte, eine Art Rundweg am Berg. Vom markierten Wanderweg (gelber Strich) zweigt der Pfad nach rechts ab und führt den steilen Hang hinauf. Der Weg ist von trockenem Laub bedeckt und unweit des Touristen-Magneten Kuhstall ist man auf einmal ganz allein unterwegs!
Auf der Kuppe des Berges sind mehrere unscheinbare und verstreut wirkende Felsblöcke zu sehen, die sich bestimmt gut für leichte Kletterei eignen. Eine nennenswerte Aussicht gibt es aber nicht. Sicher ist das ein Grund dafür, weshalb sich hier niemand weiter aufhält… Da ich aber eine Schwäche für verlassene Orte habe, finde ich den Rundweg durch das dichte Waldgebiet um und auf dem Hausberg sehr reizvoll.

Die hohen Bäume sowie umgestürzte, mit Moos und Pilzen benetzte Baumstämme verleihen dem Gelände eine fast schon verwunschene Stimmung. Darüber hinaus gibt es eine kleine, denkmalgeschützte Hütte aus Stein zu entdecken: im oberen Bereich ihrer hölzernen Tür prangt das Schild „Hütte am Hausberg“ und Gespinste deuten darauf hin, dass der Eingang wohl schon seit längerer Zeit nicht geöffnet worden ist.

Rückweg zum Lichtenhainer Wasserfall.

Zeit für den Rückweg. Dazu nahm ich den verwilderten Pfad, wanderte den Hang hinab und bog nach links auf den gelb markierten Wanderweg ab. So erreichte ich bequem wieder die Kuhstallstraße und gelangte flott zurück zum Lichtenhainer Wasserfall. Der bequeme Weg zum Kuhstall und zurück eignet sich übrigens gut für einen Ausflug mit der ganzen Familie.

Anfahrt:

Aus Richtung Dresden mit dem Auto bis Bad Schandau oder mit der Bahn S1 bis Bad Schandau oder Krippen und mit der Fähre auf die andere Elbseite übersetzen. Durch das Kirnitzschtal mit dem Auto, der Kirnitzschtalbahn oder zu Fuß auf dem Malerweg flussaufwärts entlang der Kirnitzsch (roter Punkt, grüner Querstrich) bis zum Lichtenhainer Wasserfall.

Mögliche Erweiterung der Wanderung:

Die Wanderung lässt sich natürlich erweitern und gut mit einem Abstecher in die Affensteine kombinieren: am Kuhstall führt der Südabstieg (Fremdenweg, roter Punkt) hinab und durch das dichte Waldgebiet zum Kleinen Winterberg. Aufstieg auf den Kleinen Winterberg, weiter zum Frienstein mit Idagrotte und Abstieg über die Heilige Stiege (gelber Strich) in den Heringsgrund bis nach Schmilka.

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