an der Stolpener Straße mit Blick in Richtung Burg Stolpen

Radrunde mit Blick auf Stolpen: Dresdner Heide, Karswald, Alter Bahndamm

Die Burgstadt Stolpen, die auf einem Hügel liegt und schon von Weitem zu sehen ist, war das indirekte Ziel meiner Spritztour mit dem Fahrrad. In erster Linie ging es mir darum, ein paar Landschaftsmotive mit Blick in Richtung Stolpen einzufangen … und parallel beim Radeln die spätsommerliche Sonne zu genießen. Die Runde startet im Herzen der Dresdner Heide, führt durch den Karswald und bis in die kleine Ortschaft Rennersdorf-Neudörfel. Vom Anblick der Ruine des alten Kammergut fasziniert, habe ich dort einen Zwischenstopp eingelegt. Marode und zum Teil schon eingestürzt, befindet sich der verlassene Ort direkt an der Stolpener Straße. Den historischen Stadtkern in Stolpen habe ich nicht besucht. Zuvor wählte ich den Abzweig nach Dürrröhrsdorf. Auf dem Radweg „Alter Bahndamm“ bin ich durch das Schönfelder Hochland und zurück nach Dresden gefahren. Die Strecke verläuft auf der ehemaligen Bahntrasse der Strecke Weißig-Dürrröhrsdorf.

Insgesamt umfasst der Rundweg knapp 50 km. Er verläuft teils auf Waldwegen und teils auf asphaltierten Radwegen bzw. überwiegend auf kleineren Straßen. Wer beim Radfahren auch gern einen Blick in die sächsische Geschichte wirft, der wird möglicherweise beim Schloss Helmsdorf fündig. Aber auch der Dresdner Saugarten, der historisch interessante Bischofsweg und die Fundstätte „Wüstes Dorf“ im Karswald verleiten zu einer gedanklichen Zeitreise.

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Vom Dresdner Saugarten bis in den Karswald.

Ausgehend vom Dresdner Saugarten im Herzen der Dresdner Heide, bin ich auf dem geradlinigen Hauptweg „Alte Eins“ in östliche Richtung bzw. nach Ullersdorf gefahren. Mit einem Abzweig nach links auf den A-Flügel und dann wieder nach rechts auf den Bischofsweg, führt der Weg über die Tanzzipfelwiese. So war nach etwa 5 km der Ullersdorfer Siedlungsrand zügig erreicht. Daraufhin sollte es weiter auf dem Bischofsweg, wo sich übrigens auch eine Stempelstelle des Sächsischen Jacobsweges befindet, bis in das nächste Waldgebiet weitergehen. Gemeint ist der Karswald, wobei die grüne Wegmarkierung zur Orientierung hilfreich ist (erst grüner Strich, dann grüner Punkt).

Auf dem Bischofsweg führt der Waldweg bis zu einem Rastplatz, der den Namen Harthestern trägt. Kurz darauf bog ich nach links ab und erreichte ein Waldgebiet, das in füherer Zeit besiedelt war. Zwischen dem Bischofsweg und der Alten Dittersbacher Straße standen einst die Häuser des Dorfes Reinhardtswalde. Es wurden Mauerreste, Scherben und sogar ein traditioneller Backofen gefunden. Es ist nicht bekannt, wann und weshalb das Dorf aufgegeben wurde – aber schon im Jahr 1378 war es nicht nicht mehr registriert. Möglicherweise führten wirtschaftliche Gründe oder Krankheiten zum Verlassen der Siedlung. Heute wird die Fundstätte als „Wüstung Reinhardtswalde“ oder als „Wüstes Dorf“ bezeichnet.

Durch den Karswald verlaufen übrigens drei sehr alte Wegeverbindungen: die alte „Dresden-Bautzner Poststraße“ (B6), der Bischofsweg von Meißen nach Stolpen, sowie „Die alte Straße in die Lausitz“. Der Name Karswald ist auf die früheren Grundherren Karaß zurückzuführen, die schon im Jahr 1350 die Wälder und das Vorwerk Wilschdorf besaßen.

Nach dem Wüsten Dorf und nach insgesamt 12 km erreichte ich einen Rastplatz namens Grüne Bank. Dann ging es weiter bis zum gut befestigten Hörnelweg, auf den ich nach rechts abbog und geradewegs bis zur Stolpener Straße fuhr (zwischenzeitlicher Kilometerstand: 18,6 km).

Feldweg mit Blick in Richtung Stolpen. Ruine vom Kammergut.

Nach einem ganz kurzen Abschnitt auf der befahrenen Straße zweigt der Nullweg (gelber Strich) nach links ab und führt über die weiten Felder, vorbei an schlanken Windkraftanlagen und in Richtung Stolpen. Die kleine Burgstadt liegt erhöht auf einem Hügel und ist ein guter Blickfang. Nach insgesamt 22 km in Rennersdorf-Neudörfel angekommen, befindet sich am Rand der gemütlichen Dorfstraße ein idyllischer Teich und gleich danach zieht eine Ruine die Blicke auf sich. Ihre Geschichte lässt sich bis in das 16. Jh. zurückverfolgen. Im 18. Jh wurde das Anwesen im barocken Stil zum Kammergut ausgebaut. In Folge der Enteignung nach dem 2. Weltkrieg wurde das Gut Volkseigentum und diente als Lehrlingswohnheim der LPG. Seit den 1990 er Jahren befindet sich das einstige Kammergut in Privatbesitz und steht seitdem leer.

Rückweg nach Dresden. Alter Bahndamm.

Weiter auf der Helmsdorfer Straße in südwestliche Richtung nach Helmsdorf. Auch hier gibt es ein Gebäude zu bewundern, das auf eine lange Geschichte zurückblickt: Schloss Helmsdorf. Das nächste Ziel sollte der Ort Dürröhrsdorf sein. So gelangte ich auf die Strecke „Alter Bahndamm“ und setzte die Fahrt auf dem breiten Radweg in Richtung Elbersdorf, Wünschendorf, Eschdorf und Schullwitz fort. Zum Endspurt ging es auf der Bühlauer Straße und der Borsbergstraße zum Schloss Schönfeld, das ich nach insgesamt 40 km erreichte. Über Gönnsdorf und Quohren kam ich bis zum Ullersdorfer Platz. Schließlich durch die Dresdner Heide (Heidemühlweg, Zweienweg, HG-Weg und Alte Eins) bis zum Ausgangspunkt im Zentrum der Dresdner Heide. Damit waren 49,7 km geschafft.

Über eine ähnliche Strecke habe ich im Beitrag „Schöne Höhe – Radtour im Osten von Dresden“ berichtet.

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4 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Ulrich Pankotsch
    19. September 2018 22:25

    Eigentlich ist es doch viel schöner den Bahndamm auch ab Schullwitz bis Weissig weiter zu nutzen, statt die olle Strasse mit den Autos zu teilen.
    Aber trotzdem gute Tour, wenn ich auch selber noch nicht von Norden nach Stolpen reingefahren bin.

    Wir waren übrigens letzte Woche nochmals am Bärenstein – Steig vollständig von unten.

    Antworten
    • Stimmt, den übrigen Bereich des Alten Bahndamm (Schullwitz-Weißig) habe ich bei dieser Runde nicht berücksichtigt und werde ihn unbedingt noch bei Gelegenheit fahren. Der beschriebene Rundweg ändert sich dadurch nicht wesentlich. Da ich auf dem Hinweg durch die Wälder etwas gebummelt habe, kam mir der flotte Rückweg auf asphaltierten Radwegen & Straßen ganz gelegen. 😉

      Gratulation zum Stiegen-Erfolg!!! Es war bestimmt anspruchsvoll, oder? Wir haben uns bei der letzten Runde einen etwas leichteren und dennoch sehr schönen Steig herausgesucht: die recht kurze Starke Stiege im Rauschengrund und Ausstieg auf dem Oberen Terrassenweg, vorbei am Großvaterstuhl und tollen Aussichtspunkten, weiter bis zur Rotkehlchenstiege bzw. zurück zum Hauptweg. Sonnige Grüße!

      Antworten
      • Ulrich Pankotsch
        20. September 2018 22:24

        Schoener Weg von Euch – starke Stiege nur ganz unten etwas knifflig, da abgelatscht.
        Zwischen Großvaterstuhl und Rotkehlchenstiege aber schon etwas moralisch oder ?
        Aber dieses Stück Weg war ja eigentlich schon bekannt.

        Antworten
        • Die Starke Stiege hat uns sehr gefallen und die alten Eisengriffe besitzen ja fast schon Museums-Charakter. Auf alle Fälle liegt der Zugang etwas versteckt. Aus dem unmarkierten Rauschengrund haben wir (etwas umständlich, aber schön) zuerst den Aufstieg nach rechts auf den Unteren Terrassenweg genommen – und sind von dort aus (mit einem Abzweig nach links) bis zum Einstieg in die Starke Stiege gewandert.

          Ja, der Weg in Richtung Rotkehlchenstiege führt teilweise ganz nah am Abgrund entlang und wir sind ihn ja schon einmal gegangen. Der Großvaterstuhl musste natürlich wieder als Fotomotiv herhalten. Eigentlich sind wir noch weiter vor… an einer Boofe vorbei und in Richtung Heilige Stiege gelaufen, aber dort kam nochmal eine schmale Stelle (DIE moralische Stelle) am Abgrund, an der es um den Fels herum geht. Da hätte ich ggf. allein weitergehen müssen. Also lieber wieder ein Stück zurück bis zum Abzweig an der Rotkehlchenstiege, der zum blau markierten Hauptweg führt. Beitrag & Fotos folgen in Kürze!

          Antworten

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