Blätter im Gegenlicht, Wanderweg Reichsapfel in der Dresdner Heide

Kleine Waldpfade: Wanderung von Radeberg zum Dresdner Saugarten

Vom Rodelberg in Radeberg bis zum Rand der Dresdner Heide.

So werden bei mir Kindheitserinnerungen wach! Früher kam mir der kleine Hügel in der Radeberger Südvorstadt viel größer vor. An verschneiten Tagen ging es mit dem Schlitten dort hin. Im Sommer war die Wiese perfekt zum Spielen. In Gedanken an alte Tage, habe ich den Rodelberg als Startpunkt meiner Wanderung gewählt.
Auf dem „Gipfel“ des Hügels ist heute ein blaues Schild zu finden: „Mt. Klausnitzer 245 m über NN“. Es erinnert an Walter Klausnitzer, der sich für die Schaffung eines Berges zum Rodeln für die Radeberger Kinder einsetzte. Die Bauabnahme erfolgte im Jahr 1986, danach wurde der Rodelberg begrünt. Seit dem befindet er sich in einer idyllischen Grünzone am südlichen Rand von Radeberg. Von hier aus geht es in südwestliche Richtung, vorbei an einer Garagensiedlung und durch eine Gartensparte, bis zum Rand der Dresdner Heide.

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Auf dem Hirschstängelweg und dem Waldpfad namens „Brille“.

Da ich sehr gern auf den kleinen Waldpfaden unterwegs bin, habe ich mir eine Strecke abseits der Hauptwege ausgesucht und bin wieder einmal auf Motivsuche gegangen. Auf dem Hirschstängelweg erreichte ich nach knapp 2 Kilometern eine große Buche, die sich direkt an einer Wegkreuzung befindet. Auf dem stattlichen Stamm sind, in roter Farbe auf weißem Grund, historische Wegzeichen aufgemalt worden. An dieser Stelle wählte ich den Abzweig nach rechts (auf den Wanderweg „Gabel“) und kurz darauf führte wieder rechts ein kleiner Wanderweg in die Einsamkeit des Waldes. Auf dem urigen Pfad, der den Namen „Brille“ trägt, war es ganz still. Gemäß meiner Wanderkarte, soll es hier ein geschnittenes Wegzeichen zu entdecken geben! So suchte ich an den Baumstämmen zu beiden Seiten des Weges und wurde an der Kreuzung mit der Schneise 3 fündig! Ganz unscheinbar und in einer Vertiefung am Baumstamm einer alten Kiefer, ist das rote Symbol versteckt. In der Dresdner Heide sind nur noch wenige der geschnittenen Wegzeichen erhalten. Umso schöner ist es, eines davon zu finden! Dem Verlauf der „Brille“ bin ich weiter gefolgt, bis hin zu einem kleinen Bachlauf. Dabei handelt es sich um das Schwarzwasser. Im Gegenlicht wirkt das Wasser tatsächlich sehr dunkel.

Wandern auf dem Bischofsweg.

An dieser Stelle bin ich nach links auf einen Pfad abgebogen, an dem ich keine Markierung finden konnte.
Nach und nach verschlechterte sich die Wegbeschaffenheit und ich dachte schon, dass der Pfad im Nichts endet. Spuren im hohen Gras folgend, gelangte ich jedoch wieder zum Hauptweg „Gabel“. Diesen überquerte ich und von nun an war die Wegmarkierung des Bischofsweges (dreieckiges Symbol) klar erkennbar. Obwohl ich schön öfter auf dem Bischofsweg gewandert bin, finde ich ihn immer wieder aufs Neue und zu jeder Jahreszeit sehr schön.
Zum Zeitpunkt meiner Wanderung waren mehrere Aushänge an Baumstämme angeheftet, die Geschichte & Gegenwart einiger Heidewege thematisieren. Dabei handelt es sich um einen Auszug aus dem großen Buch „Dresdner Heide“ Geschichte – Natur – Kultur, das vom Landesverein Sächsischer Heimatschutz e.V. herausgegeben wurde (Berg- und Naturverlag Rölke). Also habe ich mir gleich meine Landkarte geschnappt und anhand der Beschreibung versucht, den ursprünglichen Verlauf des Bischofsweges nachzuvollziehen. Eine gedankliche Zeitreise, die ich nachfolgend in Worte fassen möchte:

Der historische Verlauf des Bischofsweges von 1218 bis zur Reformationszeit im 16. Jh.

Über drei Jahrhunderte hinweg gab es eine Wegverbindung zwischen dem Bischofssitz auf Burg Meißen und der Burg Stolpen. Diese führte durch die Dresdner Heide. Da Karten der Heide erst nach der Reformation gebräuchlich waren, finden sich nur bruchstückhafte Anhaltspunkte, um den ursprünglichen Verlauf des Weges zu rekonstruieren.

Der von der Breiten Furt über Ullersdorf zum Carswald ziehende Abschnitt hieß ursprünglich „Hakschar“. Im Bereich der Tanzzipfelwiese, umging der Weg das nasse Gelände. Im Gegensatz dazu führt der heutige Bischofsweg direkt über die Wiese. Schaut man sich den Verlauf genauer an, so ist ein Umweg über das Schwarzwasser erkennbar. Daraus lässt sich ableiten, dass der Weg wohl nicht direkt angelegt worden ist, sondern zwei aufeinander treffende Wege in sich vereint.

Von diesem Punkt aus verläuft der Weg in südwestliche Richtung und über die Prießnitz. Die Stelle wird als „Breite Furt“ bezeichnet. Dann weiter nach Südwesten und in Richtung des Hauptweges „HG-Weg“. Dieses Teilstück des historischen Weges, von Ullersdorf bis (fast) zum HG-Weg, entspricht im Wesentlichen der ursprünglichen Wegführung. In heutigen Landkarten ist eben dieser Abschnitt als Bischofsweg markiert und mündet in den C-Flügel bzw. in den HG-Weg.
Bis nach 1572 bestand eine Verbindung zwischen dem HG-Weg und dem Schotengrund. Sie verlief auf Abschnitten der Wege „Doppel E“ und „Hämmerchen“. Vom Schotengrund nahe Schloß Albrechtsberg führte der Weg zur Prießnitzfurt „Drey Stegen“ (heute: Jägerstraße) und weiter bis zum Elbübergang bei Briesnitz. Von Dresden-Briesnitz aus, verlief der Weg auf der linken Seite der Elbe bis nach Meißen.

Breite Furt an der Prießnitz, Reichsapfel und bis zum Dresdner Saugarten.

Nach insgesamt 5,4 km gelangte ich auf den Neuen Weg an der Prießnitz. Diesem folgte ich ein ganz kurzes Stück nach rechts und überquerte die kleine Holzbrücke. Dieser Bereich wird auch als „Breite Furt“ bezeichnet. Weiter ging es auf dem Bischofweg, bis ich auf den kleinen Weg namens Reichsapfel traf. Hier bog ich nach rechts ab und setzte meine Wanderung in westliche Richtung fort. Im Bereich des als Naturdenkmal geschützten Krötenbruchwasser (auch Böses Loch genannt), erreichte ich einen der historischen Hauptwege in der Dresdner Heide: die Alte Eins. Sie ist Teil des sternförmig angelegten Wegenetzes der Dresdner Heide und führt nach Westen direkt zum Dresdner Saugarten. Etwas mehr als acht Kilometer sind geschafft. Im historischen Zentrum der Heide angekommen, lohnt sich eine Pause. Nach dem Erkunden der kleinen Waldpfade, könnte man von hier aus den Weg auf einem der acht Hauptwege (Alte Eins bis Alte Acht) fortsetzen.

So zum Beispiel auf der Alten Vier oder der Alten Sechs.

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