Weißiger Weg, Wegzeichen Dresdner Heide

Die Zeichen zur Orientierung in der Dresdner Heide

Dresdner Heide

Das System historischer Zeichen.

Neben der klassischen Beschilderung, fallen beim Erkunden der Heide rote Zeichen ins Auge, die an ausgewählten Baumstämmen aufgemalt worden sind. Die Dresdner Heide verfügt über ein sehr umfangreiches System an Symbolen, symbolhaften Buchstaben und Ziffern und hierbei lohnt sich ein Blick in die Geschichte.

Bereits sehr früh siedelten Menschen in Sachsen. Es gibt eindeutige Belege für Siedlungen aus der Jungsteinzeit und Bronzezeit – wobei davon auszugehen ist, dass es schon in jener Zeit Pfade durch die Heide gegeben hat. Die Erschließung der Dresdner Heide und damit verbunden, das Anlegen eines Wegenetzes, erstreckt sich über mehrere Epochen. Zu Beginn wurden wegweisende Symbole direkt in die Rinde einzelner Bäume geschnitzt. Hierfür entfernte man vorsichtig ein Stückchen der Baumrinde, schnitzte die Form in das Holz und malte diese anschließend rot aus. Daraus entwickelte sich der Beruf des Waldzeichenschneiders. Mittelalterliche Wege wurden nach und nach vermessen, kartografiert und teils erweitert.

Acht Hauptachsen – Ein Entwurf für die Jagd

Im Jahr 1560 entwarf Johannes Humelius ein sternförmiges System (Hellensystem), dessen Zentrum der Dresdner Saugarten bildete. Vom Zentrum gehen, im Abstand von jeweils 45 Grad, acht Hauptachsen (Flügel) aus, die heute die Namen „Alte Eins“ bis „Alte Acht“ tragen. Zudem wurden fünf Ringwege in konzentrischer Form angelegt, die als „Kreuz Zwei“ bis „Kreuz Sechs“ bezeichnet wurden. Das Hellensystem war vordergründig für die Jagd konzipiert worden und wurde 1589 in der ersten Karte der Dresdner Heide abgebildet. Als Gestalter der Karte ist Matthias Oeder zu nennen.

Ihren höchsten Stellenwert besaßen die Wegzeichen also in kurfürstlicher Zeit (besonders im 16. Jahrhundert unter Kurfürst August), als die Dresdner Heide intensiv als Jagdrevier genutzt wurde. Darüber hinaus gab es bis zum 18. Jahrhundert zusätzlich 270 schwarze Symbole, die besondere Orte, wie Brücken, Hügel, besondere Bäume oder Quellen markierten. Im Jahr 1832 wurde das bestehende System von Johann Heinrich Cotta durch Schneisen erweitert, die geradlinig und parallel verlaufen.

Es ist davon auszugehen, dass die zum Teil ungewöhnlichen Namen der Wege von der Symbolik inspiriert sind, die man zu deuten versuchte. Heute sind mehr als 10 der handgeschnitzten Symbole noch zu finden, wie beispielsweise im Bereich der Wegkreuzung von Reichsapfel und Verkehrter Gabel nahe des Stausees oder an der Kreuzung von Reichsapfel und Kreuz Sechs in der Nähe des HB-Weges.

Rekonstruktion und Erhaltung der Zeichen

Im 19./20. Jahrhundert verlor das Waldzeichenwesen immer weiter an Bedeutung. Die Zeichen wurden nicht erneuert und in der Zeit um 1980 wurden sie sogar mit offizieller Genehmigung entfernt, bis sich fünf Jahre darauf die Interessengemeinschaft Dresdner Heide für ihre Erhaltung und Rekonstruktion einsetzte. Dabei sind die historischen Zeichen mittels Schablonen auf ausgewählte Baumstämme gemalt worden. Im Sinne einer guten Lesbarkeit, malte man sie mit roter Farbe auf weißem Grund. Bedingt durch das Wachstum der Bäume, müssen die Wegzeichen in regelmäßigen Abständen erneuert werden. Den engagierten Personen im Kreis des Sächsischen Heimatschutzes, die sich dem Erhalt der historischen Zeichen widmen, gilt besonderer Dank. Im Folgenden seht ihr noch ein paar Beispiele für Symbole, die es in der Heide zu entdecken gibt.

Wer sich einen Überblick zum gesamten Repertoire verschaffen möchte: eine vollständige Sammlung der Zeichen findet ihr auf OpenStreetMap … und (natürlich am schönsten) vor Ort!

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